Zu 1. Welche Priorität bekäme der Klimaschutz, insbesondere die Energiewende, in der anstehenden Wahlperiode?
Konsequenter Klimaschutz wird immer drängender und hat für mich hohe Priorität. Wir müssen aber Wege finden, den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren, ohne dass dies zu Lasten der Menschen mit geringem Einkommen geht.
Zu 2. Halten Sie eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Göttingen und den Bürgerenergiegesellschaften Göttingen für eine angemessene Maßnahme?
Die Einbeziehung von Bürgerenergiegenossenschaften ist mir wichtig. Mit welcher und im Zusammenhang mit welchen Projekten möchte ich aber erst in der evtl. Position als OB mit dem Rat entscheiden. Die Stadt Göttingen hat gemeinsam mit dem Landkreis, den Stadtwerken und der EAM eine eigene GmbH, die Energie Region Göttingen GmbH (ERG), gegründet, um Wind- und Freiflächen-PV-Projekte auf den Weg zu bringen. Dabei können und sollen Bürgergenossenschaften/-gesellschaften gern beteiligt werden. Die ERG wird für ihre Projekte Projektgesellschaften gründen, bei denen Bürgergenossenschaften/-gesellschaften Anteile erwerben können. Diesen Weg werde ich weiterverfolgen.
Zu 3. Welche Vorhaben oder Projekte eignen sich konkret für eine Zusammenarbeit bis 2030?
Eine Bürgerbeteiligung ist mir wichtig und ich hoffe, dass wir bei allen größeren Projekten Bürgergesellschaften finden, die sich beteiligen. Idealerweise sind dort Bürger und Bürgerinnen beteiligt, die auch in direkter Nähe zu dem Projekt leben.
Zu 4. Mit welchen Maßnahmen werden Sie künftig für Transparenz bezüglich der Nutzbarkeit kommunaler Flächen sorgen?
Bei jedem größeren Projekt findet auch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit entsprechender Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit statt. Im Zuge dessen muss immer wieder sehr deutlich auf die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger und Bürgerinnen in Göttingen und speziell vor Ort hingewiesen werden. Allerdings hat insgesamt der Klimaschutz für mich hier Vorrang. Wir müssen ins Handeln kommen und dürfen uns die Welt nicht immer komplizierter machen. Die ERG ist gegründet worden, um Projekte möglichst zügig umzusetzen und dafür ist sie auch aus meiner Sicht ein sehr gutes Instrument.
Zu 5. Welche drei konkreten Schritte werden Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit unternehmen?
Da bitte ich um Verständnis. Diese Frage stellen mir viele Akteure in der Stadt. Ich bin aber nicht bereit mich jetzt für jeden Teilbereich auf eine Arbeitsliste für die ersten 100 Tage festzulegen. Sie können sicher sein, dass mir der Ausbau der erneuerbaren Energie unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ein großes Anliegen ist und rasches Handeln hier auf meiner Prioritätenliste steht.
Zu 6. Welche Vorschläge haben Sie, den hohen Investitionsbedarf hinsichtlich der Energiewende in der Stadt zu decken?
Mit einem gut organisierten Fördermittelmanagement will ich zuerst alle Möglichkeiten der Förderung dieser Investitionen aktivieren. Im zweiten Schritt fokussieren wir uns auf Projekte, die sich durch die Einsparung von Energiekosten refinanzieren. D.h. also zunächst mal Investitionen zu tätigen, die entweder den Energieverbrauch der Stadt – und damit meine ich den Konzern Stadt – deutlich reduzieren oder mit denen wir aus erneuerbaren Energien Strom erzeugen, den wir dann wiederum nicht einkaufen müssen. In diesem Bereich kann man kreditfinanziert die Investition tätigen und dann mit den Einsparungen die Kredite tilgen.
7. In welchen Bereichen würden Sie die Ressourcen für den Klimaschutz im städtischen Haushalt erhöhen?
8. Planen Sie, die derzeitigen Sparpläne hinsichtlich der Investitionen im Sinne des Klimaschutzes zu korrigieren?
9. Planen Sie, den Klimafonds substanziell aufzustocken?
Zu 7. + 8. + 9.
Sie werden sicher verstehen, dass ich im Wahlkampf keine vorgezogenen Aussagen zum Haushalt der kommenden Jahre mache. Grundsätzlich sehe ich den Schwerpunkt bei den Ausgaben aber eindeutig bei den Investitionen, um schnell konkrete Maßnahmen zu realisieren und auch als Vorbild zu fungieren. Ich bin der Überzeugung, dass wir dadurch bei den Göttinger Unternehmen und bei den Bürgerinnen und Bürgern mehr erreichen, als durch teure Prozesse.
Zu 10. Soll die Stadt Göttingen Ihrer Meinung nach Mitglied in der BürgerEnergie Göttingen beziehungsweise der Erneuerbare Energien Göttingen werden?
Bürgerenergiegenossenschaften sollten bleiben, was sie sein wollen und sollen: Zusammenschlüsse und Engagement von Bürgerinnen und Bürgern.
Zu 11. Wie wollen Sie den dringend notwendigen Aufbau von Fachkräften für den Bereich Klimaschutz voranbringen?
Es gibt meiner Kenntnis nach dazu vielfältige Initiativen in der Region und erfreulicherweise ist zu beobachten, dass bei den jungen Menschen der Blick auf die handwerklichen Berufe positiver wird. Diesen Eindruck kann ich auch aus meiner Erfahrung als Direktor einer großen, gerade auch in der Berufsorientierung erfolgreichen Schule bestätigen. Der Fachkräftemangel ist aber natürlich eine echte Herausforderung für unsere Gesellschaft. Ich sehe da ein wichtiges Arbeitsfeld des nächsten Oberbürgermeisters – am besten Hand in Hand mit dem Landkreis.
Zu 12. Über welche Einflussmöglichkeiten auf den übergeordneten politischen Ebenen verfügen Sie und wie können diese gemeinsam mit den Mitteln der Bürgerenergiegesellschaften zielgerichtet eingesetzt werden?
In der Tat habe ich den Eindruck, dass die kommunalen Spitzenverbände und die Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen sich bei dem Thema Klimaschutz bisher zu wenig laut zu Wort gemeldet haben. Das hat möglicherweise damit zu tun, dass der Klimaschutz politisch schwerpunktmäßig einer Partei zugeordnet wird. Dabei ist doch die ökologische Transformation neben der sozialen und digitalen Transformation zentrales Zukunftsthema für uns alle und der Klimaschutz kann zu großen Teilen nur vor Ort, in den Kommunen realisiert werden. Insofern müssen wir eine parteiübergreifende starke Stimme der Kommunen zu diesem Thema aufbauen. Dafür werde ich meinen politischen Einfluss mit aller Kraft geltend machen.
