ONYEKA OSHIONWU – Die Grünen

Den Vorschlag einer engeren und verbindlicheren Zusammenarbeit zwischen der Stadt Göttingen, der BürgerEnergie Göttingen (BEG) und der Erneuerbare Energien Göttingen (EE-Goe) begrüße ich ausdrücklich. Die Energiewende gelingt dann am besten, wenn sie vor Ort gestaltet wird und die Menschen nicht nur die Folgen, sondern auch die Chancen erleben. Bürgerenergie schafft Akzeptanz, regionale Wertschöpfung und demokratische Teilhabe. Deshalb sehe ich in einer Kooperationsvereinbarung einen sinnvollen Schritt, um die Zusammenarbeit langfristig und verlässlich zu gestalten.

1. Welche Priorität bekäme der Klimaschutz, insbesondere die Energiewende, in der anstehenden Wahlperiode?

Klimaschutz gehört für mich zu den zentralen Aufgaben der kommenden Wahlperiode. Die Energiewende ist dabei nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance für Göttingen. Als Oberbürgermeisterin werde ich Klimaschutz als Querschnittsaufgabe verstehen, die bei Stadtentwicklung, Wohnen, Mobilität, Wirtschaftsförderung und Infrastruktur mitgedacht werden muss.

Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Wärmewende und die Anpassung an die Folgen der Klimakrise werden deshalb zu den zentralen Prioritäten meiner Amtszeit gehören.

2. Halten Sie eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Göttingen und den Bürgerenergiegesellschaften Göttingen für eine angemessene Maßnahme?

Ja. Wenn die Stadt im Wärmeplan die Bedeutung von Bürgerenergie für regionale Wertschöpfung und Akzeptanz hervorhebt, sollte sich das auch in den Strukturen der Zusammenarbeit widerspiegeln. Eine Kooperationsvereinbarung kann Transparenz schaffen, Zuständigkeiten klären und gemeinsame Ziele verbindlicher verfolgen.

Ich werde mich dafür einsetzen, eine solche Vereinbarung gemeinsam mit den Bürgerenergiegesellschaften zu entwickeln und mit Leben zu füllen. Göttingen verfügt über engagierte Akteure vor Ort – dieses Potenzial sollten wir stärker nutzen.

3. Welche Vorhaben oder Projekte eignen sich konkret für eine Zusammenarbeit bis 2030?

Besonders geeignet sind aus meiner Sicht:

  • Photovoltaik auf kommunalen Dächern,
  • PV-Anlagen auf Parkplätzen und versiegelten Flächen,
  • Beteiligung an Windenergieprojekten im Göttinger Umfeld,
  • Nah- und Quartierswärmekonzepte,
  • Wärmenetze in Neubau- und Bestandsquartieren,
  • Speicherlösungen zur Stabilisierung lokaler Energieversorgung,
  • Beteiligungsmodelle im Rahmen kommunaler Neubauprojekte.

Bei allen geeigneten Projekten sollte eine finanzielle Bürgerbeteiligung frühzeitig geprüft werden. Bürgerinnen und Bürger müssen die Möglichkeit haben, von der Energiewende nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich zu profitieren.

4. Mit welchen Maßnahmen werden Sie künftig für Transparenz bezüglich der Nutzbarkeit kommunaler Flächen sorgen?

Ich werde mich dafür einsetzen, dass geeignete kommunale Flächen systematisch erfasst und öffentlich zugänglich dargestellt werden. Ziel muss sein, nachvollziehbar zu machen, welche Flächen grundsätzlich für Photovoltaik, Windenergie oder Wärmeinfrastruktur infrage kommen und nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden.

Transparenz schafft Vertrauen, Planungssicherheit und beschleunigt die Umsetzung von Projekten.

5. Welche drei konkreten Schritte werden Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit unternehmen?

Erstens werde ich zu einem Energiewende-Gipfel mit Stadtwerken, Universität, BEG, EE-Goe und weiteren relevanten Akteuren einladen.

Zweitens werde ich die Verwaltung beauftragen, einen Vorschlag für eine strukturierte Kooperationsvereinbarung mit den Bürgerenergiegesellschaften vorzulegen.

Drittens werde ich eine Übersicht der kommunalen Potenzialflächen für erneuerbare Energien und Bürgerbeteiligungsprojekte erarbeiten lassen, damit wir schneller von der Planung in die Umsetzung kommen.

6. Welche Vorschläge haben Sie, den hohen Investitionsbedarf hinsichtlich der Energiewende in der Stadt zu decken?

Die Energiewende wird durch einen Mix aus kommunalen Investitionen, Fördermitteln von Bund und Land, Beteiligungen der Stadtwerke, privatem Kapital und Bürgerenergie finanziert werden müssen.

Gerade Bürgerenergiegesellschaften spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie lokales Kapital mobilisieren und gleichzeitig die Akzeptanz stärken. Darüber hinaus müssen wir Förderprogramme konsequent nutzen und Investitionen stärker als Zukunftsinvestitionen begreifen.

Jeder Euro, der heute in Klimaschutz und erneuerbare Energien investiert wird, spart langfristig Kosten und stärkt die regionale Wirtschaft.

7. In welchen Bereichen würden Sie die Ressourcen für den Klimaschutz im städtischen Haushalt erhöhen?

Insbesondere in drei Bereichen:

  • personelle Kapazitäten für Klimaschutz, Energieplanung und Fördermittelmanagement,
  • Investitionen in erneuerbare Energien und energetische Sanierungen,
  • Beratungs- und Förderangebote für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen.

Gerade die Umsetzung scheitert häufig nicht an Konzepten, sondern an fehlenden personellen Ressourcen. Deshalb müssen wir die Verwaltung in die Lage versetzen, Projekte schneller und wirksamer umzusetzen.

8. Planen Sie, die derzeitigen Sparpläne hinsichtlich der Investitionen im Sinne des Klimaschutzes zu korrigieren?

Ja. Klimaschutz ist keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Deshalb werde ich genau prüfen, welche Kürzungen die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen gefährden und wo Korrekturen notwendig sind.

Insbesondere bei Maßnahmen, die langfristig Kosten einsparen, zusätzliche Fördermittel erschließen oder die lokale Wertschöpfung stärken, halte ich Kürzungen für den falschen Weg.

9. Planen Sie, den Klimafonds substanziell aufzustocken?

Ja. Der Klimafonds ist ein wichtiges Instrument, um Bürgerinnen und Bürger unmittelbar an der Energiewende zu beteiligen. Als Oberbürgermeisterin werde ich mich dafür einsetzen, den Fonds nicht nur zu erhalten, sondern seine Wirkung und Ausstattung weiter auszubauen.

Bereits in der laufenden Ratsperiode haben wir Grüne uns erfolgreich dafür eingesetzt, den Klimafonds zu stärken. Diesen Weg werde ich konsequent fortsetzen, denn Klimaschutz gelingt am besten, wenn möglichst viele Menschen mitmachen können.

10. Soll die Stadt Göttingen Ihrer Meinung nach Mitglied in der BürgerEnergie Göttingen beziehungsweise der Erneuerbare Energien Göttingen werden?

Grundsätzlich begrüße ich eine stärkere institutionelle Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Bürgerenergiegesellschaften. Wenn eine Mitgliedschaft dazu beiträgt, gemeinsame Projekte schneller umzusetzen, die Zusammenarbeit zu stärken und die Energiewende vor Ort voranzubringen, stehe ich ihr positiv gegenüber.

Die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen selbstverständlich geprüft werden. Mein Ziel ist jedoch klar: Die Stadt sollte ein aktiver Partner der Bürgerenergie sein.

11. Wie wollen Sie den dringend notwendigen Aufbau von Fachkräften für den Bereich Klimaschutz voranbringen?

Göttingen verfügt mit Universität, Hochschule, Handwerk, Stadtwerken und regionalen Unternehmen über hervorragende Voraussetzungen. Ich möchte die Zusammenarbeit dieser Akteure stärken und gezielt Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote fördern.

Gleichzeitig müssen wir als Stadt eine attraktive Arbeitgeberin sein und klimarelevante Stellen dauerhaft absichern.

Darüber hinaus müssen wir neue Wege bei der Fachkräftegewinnung gehen. Wir müssen dort präsent sein, wo die Fachkräfte von morgen sind: an Schulen, Hochschulen, bei Sportveranstaltungen, in Vereinen und auch in Integrations- und Qualifizierungsangeboten für Zugewanderte. Viele Menschen bringen Kompetenzen und Motivation mit, benötigen aber bessere Zugänge zu Ausbildung, Weiterbildung und Beschäftigung. Darin liegt auch für die Energiewende ein großes Potenzial.

12. Über welche Einflussmöglichkeiten auf den übergeordneten politischen Ebenen verfügen Sie und wie können diese gemeinsam mit den Mitteln der Bürgerenergiegesellschaften zielgerichtet eingesetzt werden?

Eine Oberbürgermeisterin kann über kommunale Spitzenverbände, Netzwerke von Städten sowie den direkten Austausch mit Landes-, Bundes- und Europapolitik Einfluss nehmen. Diese Möglichkeiten werde ich aktiv nutzen.

Gemeinsam mit Bürgerenergiegesellschaften können wir deutlich stärker sichtbar machen, welche Rahmenbedingungen Kommunen für eine erfolgreiche Energiewende benötigen. Die Erfahrungen aus Göttingen sollten stärker in politische Debatten eingebracht werden – insbesondere dort, wo es um Planungsrecht, Förderprogramme, Bürgerbeteiligung und kommunale Handlungsspielräume geht.

Die Energiewende wird dann erfolgreich sein, wenn sie von den Menschen vor Ort getragen wird. Bürgerenergiegesellschaften leisten dafür einen unverzichtbaren Beitrag. Deshalb sehe ich in einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bürgerenergie und weiteren lokalen Akteuren großes Potenzial für Göttingen.